Ernährung Teil 1 - Themeneinführung Ernährung ist Grundlage für den Erhalt des Lebens sämtlicher Lebewesen. Ernährung bedeutet die Zufuhr von Energie in Form der Energie liefernden Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Eiweiß sowie Alkohol, welcher zwar nicht zu den Hauptnährstoffen gerechnet wird, aber zur Energiebereitstellung beiträgt (in Deutschland immerhin jede zwölfte Nahrungskalorie). Eine vollwertige Ernährung versorgt uns nicht nur mit ausreichend Energie, sondern auch mit allen essentiellen Nährstoffen (Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen) und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, die zum Erhalt des Lebens, der Leistungsfähigkeit aller Organe und Stoffwechselfunktionen, der Fortpflanzungsfähigkeit und der Lebensqualität beiträgt. Die Ernährung erfolgt in Form von fester Nahrung und Getränken. Im weiteren Sinne können auch Genussmittel zur Ernährung gezählt werden. Ernährung bedeutet aber nicht nur Zufuhr von Nährstoffen, sondern hat darüber hinaus soziale Aspekte. So stärkt die Ernährung eines Säuglings die Mutter-Kind-Bindung, ein gemeinsames Abendessen mit dem Partner kann die Anbahnung bzw. den Erhalt einer Beziehung fördern und das gemeinsame Essen während einer Familienfeier unterstützt den verwandtschaftlichen Zusammenhalt. Ernährung kann aber auch rituellen und religiösen Zwecken dienen (z.B. Kommunions- bzw. Konfirmationsfeier mit anschließendem Festmahl als Aufnahmeritual in die Erwachsenengemeinschaft, christliches Abendmahl als Symbol der leiblichen Verbindung mit dem Herrn). Geschichte der menschlichen Ernährung Der
hominide (menschähnliche) Australopithecus (5-2 Millionen Jahre v. Chr.) war ein
Savannenbewohner, der sich weitestgehend vegetarisch ernährte. Dafür sprechen
das Gebiss und die fehlenden technischen Möglichkeiten des Erwerbs und des
Verarbeitens von Fleisch. Erst der Homo habilis und der Homo erectus
entwickelten Waffen zum Jagen von Tieren und Werkzeuge zum Zerteilen der
Tierkadaver. Die Möglichkeit, nahrhaftes Knochenmark und Hirn zu erreichen und
zu verzehren, bedeutete einen großen evolutionären Schritt, der vermutlich zur
Entwicklung der menschlichen Hirngröße und der intellektuellen Weiterentwicklung
nicht unterschätzt werden darf. Ernährung und Krankheit Gute
Ernährung kann das Leben und die Gesundheit erhalten helfen. Schlechte Ernährung
kann das Leben verkürzen und Krankheiten verursachen oder zumindest begünstigen.
Nach offiziellen Schätzungen führen ernährungsabhängige Erkrankungen zu Kosten
von knapp 100 Milliarden DM (Zahlen von 1990, ich habe leider keine aktuelleren
Daten gefunden), das sind immerhin 30 % der Kosten des gesamten
Gesundheitssystems. 2/3 aller Sterbefälle werden mit ernährungsabhängigen
Krankheiten in Zusammenhang gebracht und mehr als die Hälfte aller vorzeitig
verlorenen Lebensjahre sind darauf zurückzuführen (Bundesministerium für
Gesundheit 1993). Einige wichtige ernährungsabhängige Erkrankungen: Die
Entstehung bzw. das Ausmaß der ernährungsabhängigen Erkrankungen kann auf eine
Mangelernährung (z.B.
Osteoporose und Mangel an Kalzium sowie
Vitamin D,
Rheuma
und Mangel an
Omega-3-Fettsäuren sowie antioxidativen Nährstoffen) oder auf eine
Über/Fehlernährung (z.B.
Diabetes und Energie, Fett sowie
Ernährung als Naturheilverfahren Mit der
Erkenntnis des Zusammenhanges zwischen Ernährung und Krankheit begann sich schon
frühzeitig (z.B. Hippokrates, 4. vorchristliches Jahrhundert) eine bescheidene
Ernährungsmedizin mit entsprechenden diätetischen Hinweisen zu entwickeln. Mit
Zunahme des Wohlstandes und länger dauernden Phasen eines Nahrungsüberschusses
nahmen ernährungsabhängige Krankheiten im 19. Jahrhundert immer mehr zu
(siehe auch meinen Artikel:
Anspruch und Wirklichkeit gesunder Ernährung Das Wissen um die „richtige“ Ernährung ist – auch in der Bevölkerung – weit verbreitet. Jeder weiß eigentlich, wie er sich ernähren müsste. Die Realität ist aber von den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung weit entfernt. Beispiel:
(Quelle: Ernährungsbericht DGE 2000) Die
deutsche Nahrung ist also im Durchschnitt zu energiereich, zu eiweißreich, zu
fett, zu cholesterinreich und enthält zuviel
Alkohol, während Ballaststoffe und
Kohlenhydrate deutlich unterrepräsentiert sind. Allerdings gibt es dabei
erhebliche individuelle Unterschiede, d.h. viele Menschen ernähren sich noch
weit ungünstiger als es dieser Durchschnitt vermuten lässt. Unter
Berücksichtigung qualitativer Aspekte muss die so genannte „ausgewogene
Ernährung“ des durchschnittlichen Deutschen sogar als noch ungünstiger
bezeichnet werden. So werden nicht nur zu viele Fette verzehrt, die Fette
enthalten außerdem mehr gesättigte und weniger ungesättigte
Gründe für mangelnde Umsetzung einer gesunden Ernährung Erfolge einer guten Ernährung lassen sich nicht innerhalb weniger Tage oder Wochen nachweisen, sondern benötigen meist Monate oder Jahre. Während Therapieeffekte der Akutmedizin unmittelbar sichtbar sind (z.B. rasche Blutdrucksenkung nach Gabe von blutdrucksenkenden Medikamenten oder Beschwerdefreiheit nach einer Herzoperation) sind die positiven Auswirkungen einer Ernährungsumstellung für das Individuum nicht immer erkennbar (z.B. Reduktion des Herzinfarktrisikos oder des Auftretens einer Zuckerkrankheit um mehr als die Hälfte). Im Einzelfall lässt sich aber nicht sagen, ob ein Herzinfarkt, oder Schlaganfall durch die Ernährung verhindert wurde oder nicht. Darum sind Ernährungsumstellungen oft nur das „fünfte Rad am Wagen“ der konventionellen Medizin. Vom Patienten wird dabei eine Eigeninitiative verlangt, die der Bequemlichkeit oft entgegensteht. Die Verlockungen in Supermarkt, Restaurants oder auf Feiern machen es sehr schwierig, selbst die als richtig empfundene Ernährung konsequent durchzuführen. Dazu haften einer „gesunden Ernährung“ immer noch die Vorurteile an, teuer, aufwändig und nicht schmackhaft zu sein. In weiten Bevölkerungskreisen (z.B. Jugendliche, Unterschicht) ist gesunde Ernährung auch einfach nicht „in“. Das Bekenntnis dazu und die Durchführung einer solchen würden dann im Bekanntenkreis auf erhebliche soziale Widerstände treffen. Ernährung als Wirtschaftsfaktor Die Lebensmittelindustrie hat in den letzten Jahren gesunde Ernährung als wirksames Marketinginstrument entdeckt. Unter der Bezeichnung „functional food“ drängen immer mehr industriell hergestellte Lebensmittel mit Gesundheit verheißenden Zusatzstoffen (z.B. mit bestimmten Bakterien, Vitaminen oder Mineralstoffen angereichert) auf einen rasch expandierenden Markt. Die behaupteten Wirkungen sind häufig plausibel, aber selten wissenschaftlich belegt, kommen aber dem Bedürfnis einer zahlungskräftigen Kundschaft nach, sich Gesundheit kaufen zu wollen, wobei die Produkte umso attraktiver zu sein scheinen, je teurer sie sind. Mindestens genauso groß ist der seit Jahren florierende Markt mit Reduktionsdiäten. Hier gibt es sinnvolle Programme mit reduzierter Kalorienmenge, aber nähr- und ballaststoffreichen Lebensmitteln ebenso wie sehr einseitige, oft ideologisch untermauerte „Wunderdiäten“ sowie zahlreiche Formuladiäten, die meist aus überteuerten Eiweißpülverchen mit einigen Vitamin-, Mineral- und Aromazusätzen bestehen. Verschiedene Ernährungsformen Die
Vielfalt verschiedenen Arten der Ernährung, teilweise noch mit
Subspezifizierungen, ist schlichtweg unüberschaubar. Die bedeutendsten Arten
sind vegetarische Ernährung (mit verschiedenen Unterarten wie z.B. veganer
Ernährung), makrobiotische Ernährung, Rohkosternährung (mit verschiedenen
Unterarten wie reiner oder überwiegender Rohkost, mit oder ohne tierischen
Lebensmittel), chinesische 5-Elemente-Ernährung (TCM) oder
ayurvedische
Ernährung. Für bestimmte Krankheiten (z.B.
Wissenschaftliche Forschung, die bestimmte Behauptungen eindeutig belegt, gibt es nur vereinzelt, da sie gerade im Bereich der Ernährung sehr langwierig, aufwändig und teuer ist und die Methodik oft angreifbar ist. Ernährungsstudien können selten so „sauber“, d.h. unter Einhalt sehr klar definierter Ein- und Ausschlusskriterien und so konsequent, durchgeführt werden wie etwa bei Medikamenten. Auch kann bei der Ernährung kein Placebo-Effekt durch eine Verblindung ausgeschlossen werden, da der Teilnehmer einer Studie mit definierter Kostform ja weiß, was er isst, und psychologische Beeinflussungen (positive Erwartungshaltung) hierdurch möglich sind. So beruhen Argumente für eine bestimmte Kostform oft auf - manchmal plausiblen - Annahmen, mitunter jedoch auch auf teilweise sehr skurrilen Ideologien. Es existiert ein nicht selten verbissen geführter Streit zwischen den Anhängern verschiedener Ernährungsrichtungen, der eine rationale Auseinandersetzung mit den Argumenten nicht immer ermöglicht. So streiten sich sowohl Laien als auch Ernährungswissenschaftler um den sinnvollen Anteil tierischer Lebensmittel in der Ernährung oder darüber, ob low-carb- oder high-carb-Diäten besser zur Gewichtsreduktion geeignet sind. Die Weltanschauung und die eigene emotionale Beteiligung scheinen gerade in der Diskussion von Ernährungsfragen bestimmender zu sein als Wissenschaft und rationale Argumentation. Ernährung: Ausblick Die
zunehmende Überalterung der Bevölkerung und die aufgrund der zu erwartenden
Rationierung im Gesundheitssystem geforderte Eigenverantwortung für Gesundheit
werden die Bedeutung der Ernährung (einschließlich
- vollwertig sein (alle benötigten Nährstoffe und die Energie im rechten Maße bereitstellen) - bekömmlich sein (nicht jeder verträgt aus konstitutionellen Gründen große Mengen von Rohkost, obwohl sie „gesund“ ist) - und auch noch schmecken (keine Nahrung sollte mit Abneigung gegessen werden, nur weil sie „gesund“ ist). Bei aller Beschäftigung mit Ernährung, die im Extremfall auch einmal zwanghaft werden kann (Orthorexie = die krankhafte Sucht, nur das „Richtige“ zu essen), und den für den Erhalt von Gesundheit und Leistungsfähigkeit wichtigen Inhaltsstoffen sollte nicht übersehen werden, dass Essen weit mehr als die Zufuhr von Energie und Nährstoffen, sondern auch noch ein genussvolles, sinnliches Erlebnis sein sollte.
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz. Alle notwendigen Laboruntersuchungen können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.
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