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Gesunde Ernährung ©

- wichtig, aber machbar? -

Wenn Patienten nach ihrer Ernährung gefragt werden, erhält man meist die Antwort „ausgewogen“. Dieser mittlerweile geflügelte Begriff sagt aber alles und nichts aus. Wenn nahezu jeder für sich die „richtige und ausgewogene Ernährung“ in Anspruch nimmt, Ernährungsgesellschaften aber regelmäßig zu dem Ergebnis gelangen, die durchschnittliche deutsche Kost sei zu energiereich, zu fett, zu salzig, zu süß und zu ballaststoffarm, dann kann irgendetwas nicht stimmen. 

Wissenschaftlich nachgewiesen: Die bundesdeutsche Durchschnittskost ist keine gesunde Ernährung, sondern eine Mangelernährung 

Die Nationale Verzehrsstudie untersuchte vor einigen Jahren das Essverhalten mehrerer tausend Bundesbürger. Diese füllten eine zeitlang Ernährungsprotokolle aus, in denen jedes Getränk und jede Nahrungsaufnahme genau dokumentiert wurde. Mit Hilfe von computergestützten Programmen wurde dann die Zufuhr bestimmter Nährstoffe mit den Empfehlungen der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) verglichen. Das erschreckende Ergebnis: große Teile der Bevölkerung erfüllen bezüglich wichtiger Nährstoffe nicht die nach Ansicht vieler orthomolekularer Mediziner ohnehin bescheidenen Vorgaben der DGE. So erreichten 60% der jungen erwachsenen Frauen (19-35 Jahre) nicht die Zufuhrempfehlung von täglich 200 IE für Vitamin D. Wir wissen, dass die Frau bis zum 35. Lebensjahr ihre peak bone mass, ihre „Spitzenknochenmasse“, aufbauen muss. Danach geht es mit der Knochendichte ohnehin bergab. Der wichtigste Nährstoff für die Knochen (neben, vermutlich aber sogar vor dem Kalzium) ist das Vitamin D. Wenn es hier einen Mangel gibt, ist ein rascherer Abfall der Knochendichte nahezu sicher.  

Nur etwa die Hälfte aller jungen Männer führen die empfohlene Menge an Vitamin C zu (zum Zeitpunkt der Untersuchung lag dieser Wert sogar nur bei bescheidenen 75 mg, inzwischen wurde die Mindest(!)zufuhrempfehlung auf 100 mg angehoben). Offensichtlich halten viele junge Männer das Salatblatt im Hamburger für eine ausreichende Gemüsezufuhr und weiteres Gemüse oder Obst für überflüssig. Mit einer einzigen Kiwi oder mit einer kleinen Portion Rosenkohl wäre die Mindestzufuhr von Vitamin C bereits zu gewährleisten.  

Geradezu katastrophal ist die Situation jedoch bei der Folsäure. An der Bedeutung der Folsäure für das ungeborene Kind im ersten Trimenon gibt es mittlerweile keinen Zweifel mehr. Alle gynäkologischen und Ernährungsgesellschaften empfehlen eine an Folsäure reiche Ernährung in den ersten Schwangerschaftsmonaten, besser noch bereits bei bestehendem Kinderwunsch. Die real existierende Ernährungssituation bescheinigt den gebärfähigen Frauen jedoch, dass 99% (!) die Mindestzufuhrempfehlung für Folsäure nicht erreichen.  

Diese Liste ließe sich für zahlreiche weitere Nährstoffe und verschiedene Altersgruppen locker fortsetzen. Merkwürdigerweise sind die sensationellen und erschreckenden Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie bisher kaum bekannt geworden. Vielleicht liegt es an den Konsequenzen, von denen es eigentlich nur zwei gibt: Entweder müsste sich die Bevölkerung von ihrer durchschnittlichen „ausgewogenen“ Ernährung zugunsten einer vollwertigeren Kost verabschieden, was gravierende Eingriffe in die Lebensgewohnheiten sowie die Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie zur Folge hätte. Oder die meisten Menschen müssten „Pillen“ mit den problematischen Nährstoffen (z. B. Vitamin D, Zink, Folsäure) schlucken. Beides ist derzeit politisch nicht gewünscht. Wir sollten zumindest darüber diskutieren, was aber bisher nicht ausreichend geschieht. 

Gesunde Ernährung: Schlechter Ernährungszustand trotz Schlaraffenland 

Was sind nun die Ursachen dafür, dass sich die Mehrzahl aller Deutschen nicht so gesund ernährt, wie sie es eigentlich sollte (und auch könnte). Wir leben ernährungsmäßig seit einigen Jahren im Paradies. Ein genereller Mangel an Nahrung ist seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Selbst Mitglieder der Unterschicht leiden keinen Hunger. Die Zufuhr an Energie ist gesichert. Gerade in der sozialen Unterschicht werden in der Regel sogar weit mehr Kalorien zugeführt als dies wünschenswert ist. Aber auch qualitativ lässt unsere Versorgung mit Nahrungsmitteln fast keine Wünsche offen. Wir müssen heute noch nicht einmal mehr abgelegene Biobauernhöfe oder Reformhäuser aufsuchen, um uns mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen. In jedem Supermarkt gibt es eine Vielfalt an Nahrungsmitteln aus aller Welt. In keinem Supermarkt fehlt heute die „Bio-Abteilung“, die Lebensmittel zwar zu höheren Preisen vorhält, wobei selbst diese aber immer erschwinglicher und die Preisdifferenzen zwischen konventioneller und Öko-Kost immer geringer werden. Gemüse, Obst (und das zu allen Jahreszeiten), frisch oder eingefroren, eine weltweit einmalige Auswahl verschiedener Brotsorten einschließlich Vollkornbroten, Fleisch aller möglicher Tiere von Schwein bis Känguru, Fische aus allen Weltmeeren und eine kaum aufzuzählende Auswahl an industriell hergestellten Fertigprodukten vom „Energieriegel“ bis zur kompletten Mahlzeit in einer Packung sind überall erhältlich. 

Der Konsument kann sich heute nahezu problemlos konsequent glutenfrei, laktosefrei, vegetarisch, vegan oder ökologisch einwandfrei ernähren – wenn er dies möchte. Er kann aber auch seinen gesamten Energiebedarf mit Fertigprodukten wie Tiefkühlpizza, Kola, Kartoffelchips und Süßigkeiten decken (und dabei meist sogar deutlich überschreiten). Jeder hat es selbst in der Hand (oder besser im Mund). Das Problem ist dabei nicht das nötige Ernährungswissen. Auch in Ernährungsfragen nicht besonders gut vorgebildete Menschen wissen sehr gut, dass ein leckerer Apfel oder ein Gemüseauflauf aus frischen Zutaten einen höheren gesundheitlichen Wert als ein Candyriegel oder eine Currywurst mit Pommes rotweiß haben. Die Gründe dafür, dass sich viele Menschen nicht so gesund ernähren wie sie es sollten, müssen also eher psychologischer Natur sein. Entsprechende Studien (z. B. des Göttinger Professors Volker Pudel) haben u. a. ergeben, dass Menschen sehr wohl zwischen Ernährung und Nahrung differenzieren. Sie wissen ganz genau, was gesunde Ernährung ist, ihre eigene Nahrung unterscheidet sich davon jedoch meist enorm. Über das, was wir essen, entscheidet eben meist nicht der Kopf (der Verstand), sondern im wahrsten Sinne des Wortes der Bauch (das Gefühl). 

Gesunde Ernährung - Emotio ist wichtiger als Ratio

Die Gewohnheit spielt dabei eine große Rolle. Erlerntes Verhalten – ob in Familie oder der peergroup bei Jugendlichen – beeinflusst uns mehr als wissenschaftliche Broschüren über die gesundheitliche Wirkung bestimmter Lebensmittel. Wer hat schon den Mut, sich in der Gaststätte anstelle einer Schweinshaxe einen Salatteller zu bestellen und von seinen Freunden als Grasfresser beschimpfen zu lassen. Jeder „Öko“ (heute Gott sei dank kaum noch eine Beleidigung) ist am Frühstücksbüfett schon einmal als Körnerfresser tituliert worden, wenn er sich anstelle von Weißmehlbrötchen mit Marmelade für einen Frischkornbrei mit Früchten entschieden hat.  

Die Bequemlichkeit ist ein weiterer Hemmschuh auf dem Weg zu einem gesunden Ernährungsverhalten. Einen Rohkostsalat zu verzehren bedeutet schlicht mehr Arbeit als einen angeblich gesunden Joghurt mit probiotischen Keimen praktisch ohne eigene Kautätigkeit hinunterzuschlingen. Ein Vollkornbrot mit ganzen Körnern zu kauen ist nicht so leicht wie ein Sandwich mit Weißbrot zu verzehren. 

Die Palette chemischer Zusatzstoffe hat in den letzten Jahrzehnten das Geschmacksempfinden nahezu der gesamten Bevölkerung, vor allem aber der jungen Generation verändert (oder besser verdorben). Von klein auf werden wir mit Geschmacksverbesserern und künstlichen oder „naturidentischen“ Aromastoffen traktiert. Versuchspersonen beurteilen den Geschmack eines Joghurts mit einer Fruchtzubereitung aus frischen Erdbeeren im Durchschnitt schlechter als den eines Joghurts mit künstlichem Erdbeeraroma, welches in vielen chemischen Schritten aus Sägemehl produziert wurde. Dazu kommt, dass Gemüse und Obst durch überdüngten konventionellen Anbau tatsächlich nicht mehr die Geschmacksintensität haben wie dies beim biologischen Anbau oft noch der Fall ist. Wer je eine holländische Gewächshaustomate mit einer selbst angebauten Tomate verglichen hat, weiß wovon ich rede. 

Die Lebensmittelindustrie hat ein großes Interesse daran unsere Vorlieben und Ernährungsgewohnheiten so zu beeinflussen, dass langfristig ihre verarbeiteten, mit vielen Zusatzstoffen angereicherten und vor allem profitträchtigeren Produkte bevorzugt verzehrt werden. 

Gesunde Ernährung - Die Werbeindustrie manipuliert unser Essverhalten 

Eine große Marketingindustrie lebt in Eintracht mit der besagten Lebensmittelindustrie auch nicht schlecht davon, Konsumentenverhalten im Sinne ihrer gut zahlenden Kunden zu manipulieren. Wer wollte es ihr auch verdenken? Einige Beispiele:  

·         „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“ stellt einen genialen Slogan dar. Obwohl wissenschaftlich längst bewiesen ist, dass eine vegetarische Kost gegenüber einer fleischhaltigen Nahrung keine Nachteile, aber viele Vorteile aufweist, ist der Mythos der Lebensnotwendigkeit von Fleisch in der Ernährung kaum auszurotten.

·         „Die Milch macht`s“ stammt ebenfalls aus der Marketingabteilung der CMA (Centrale Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft), die mit einem Millionenetat den Absatz der Produkte der deutschen Bauern fördern soll. Der Irrglaube, nur bei genügender Zufuhr von Milchprodukten sei eine Osteoporose zu vermeiden, wird auch auf ärztlichen Fortbildungen gezielt geschürt, obwohl in Populationen ohne Milchwirtschaft die Inzidenz der Osteoporose merkwürdigerweise viel niedriger ist.

·         Wenn selbst Spitzensportler wie Boris Becker oder die deutsche Fußballnationalmannschaft Werbung für einen süßen und viel zu fetten Nuss-Nougat-Aufstrich machen, dann kann dieser doch nicht so schlecht für die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit sein. 

Der Verbraucher macht allein dann schon sehr vieles richtig, wenn er keine Lebensmittel zu sich nimmt, für die Werbung betrieben wird.

Weitere Hinweise zu einer gesunden und vollwertigen Kost erfahren Sie im Buch „Quickstart Nährstofftherapie“ von mir, welches Ende März 2010 erschienen ist. Dieser Text ist das erste Kapitel des Buches, welches hier mit freundlicher Genehmigung des Hippokrates Verlages Stuttgart verwendet wird. 

Leichter und zeitsparender Einstieg in die Therapie mit Nährstoffen auf der Basis einer ausgewogenen Ernährung. Die wichtigsten Nährstoffe - ergänzt durch weitergehende Ernährungstipps und Empfehlungen für andere Nahrungsergänzungen. • Kapitel sind auf das Wesentliche konzentriert: alle nötigen Infos für das Verfestigen der Methode und über die wichtigsten Nährstoffe. • Lebendig und leicht verständlich dargestellt, zahlreiche Abbildungen. • Mit konkreten Therapieempfehlungen für bewährte Indikationen zum sofortigen Umsetzen. QuickStart: Für eine praxisnahe, schnelle Erweiterung des Therapie-Spektrums.

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Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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